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Each Woman is a Rose – statt „da muss man eben durch“

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Am 25. November ist der internationale Roses Revolution Day. Seit 2013 legen Mütter und auch Väter an diesem Tag weltweit rosafarbene Rosen vor die Kreißsäle, in denen sie Gewalt erfahren haben.

Doch wo beginnt Gewalt in der Geburtshilfe? Nora Imlau ruft unter #rosrev zur Blogparade auf. Sie schreibt:

Ich wurde nicht gefragt. […] Ich wurde nicht respektiert. […] Das ist Gewalt. Eine gebärende Frau so zu behandeln, ist Gewalt. Auch wenn viele das nicht wahrhaben wollen.
„Gewalt in der Geburtshilfe? Ist das nicht ein bisschen krass formuliert? Schließlich wollen die Ärzte und Hebammen doch nur helfen […]“
So lauten häufig die Reaktionen, wenn Frauen wagen, über ihre gewaltsamen Geburtserfahrungen zu sprechen. Und so erfahren betroffene Frauen häufig noch ein zweites Mal Gewalt – in Form von Vorwürfen und Herunterspielen.

Dazu kommen oft noch „Es gab ja so viel zu tun/ der Kreißsaal war voll/ Personalmangel/ nicht anders möglich…“ Und leider ist es die Wahrheit, dass der Personalschlüssel im Krankenhaus äußerst selten eine 1:1 Betreuung mit genug Zeit für Fragen, Wünsche und Ruhe zulässt. Schlimm genug. Hat man das Glück einer gerade ruhigen Geburtsstation, sollte doch eigentlich vieles besser laufen, oder?

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Meine eigenen Erfahrungen sind leider anders. Schon bei eigentlich entspannten Vorsorgeuntersuchungen nach dem errechneten Termin wurde mehrfach auf die Möglichkeit zur Einleitung hingewiesen, man könne sofort auf die Station aufgenommen werden. Risiken wurden nicht erklärt. Die oft folgende Interventionskette verschwiegen. Die Risiken zur Übertragung hingegen wurden mehr als einmal erwähnt.

An einem anderen Tag, nach der Aufnahme zur Geburt, war es ganz ruhig. Alle drei zum Schichtwechsel kommenden Hebammen haben sich mir vorgestellt. Betreuungsluxus! Und leider kein Garant für Respekt.

Wenn eine Untersuchung schmerzhaft durchgeführt und durchgezogen wird, obwohl genug Zeit und Möglichkeit für Rücksprache, eine andere Position und Durchführung wäre, dann ist das Gewalt. Ganz simple, nicht zu verleugnende Gewalt. Wenn danach auf Rücksprache hin auch noch ein Kommentar kommt wie „Das ist nun mal so, ich habe schließlich auch zwei Kinder, da muss man durch.“ , dann ist das ein zweites Mal Gewalt. Kleinreden. Leugnen.

Das Ende vom Lied war: Angst und Stress vor der Geburt und weiteren Untersuchungen. Dass Stress den Körper zuverlässig von einer Geburt abhält, ist bekannt. Dass die Geburtsschmerzen dann größer sind, ist bekannt. Dass es höchstwahrscheinlich zu mehr Interventionen kommt, kann man sich zusammenreimen.

Eine einzige gewaltvolle Handlung hat also Auswirkungen auf die gesamte Geburt. Und die Geburt hat Auswirkungen auf das Wochenbett. Auf die Gefühle, die Stimmung, die Erinnerungen. Auf das Ankommen, das Kennenlernen, das Sein. Kraft und Erschöpfung sind von der Geburt beeinflusst.

Und auch das Baby wird beeinflusst. Es erlebt den Stress der Geburt mit. Eine Hand voll typischer Stressindikatoren (wie z.B. grünes Fruchtwasser) können eventuell festgestellt werden. In verschiedenen Berichten habe ich gelesen, dass diese Faktoren rückwirkend als Begründung oder gar Entschuldigung herhalten müssen, wenn es um das Verhalten des Klinikpersonals geht.

„Wer weiß, was da noch passiert wäre. Wie gut, dass dann Eingriff XY durchgeführt wurde.“ Solche Kommentare ergeben sich aus dem Bild, Gewalt unter der Geburt gäbe es nicht, Auswirkungen davon erst recht nicht. Und eben diese Kommentare schüren gleichzeitig Angst, dass man nur in einer Klinik sicher gebären könne. Ohne das Wissen um die Geschehnisse unter der Geburt ist diese Bewertung unvollständig und schlichtweg falsch. Wahrscheinlich wären viele Geburten ganz anders gelaufen. Es gäbe weniger wirklich notwenige medizinische Eingriffe, wenn die Geburtshilfe einen grundsätzlich respektvollen Umgang mit den gebärenden Frauen erreichen würde.

Denn wie Nora Imlau sagt:

Alles, was zählt, ist: Dass wir uns während der Geburt unseres Kindes in unseren Wünschen und Bedürfnissen gesehen fühlen und die respektvolle Behandlung erfahren, die wir verdienen.

Natürlich gibt es auch schöne Geburten mit tollem Klinikpersonal. Nur leider nicht immer. Damit es in Zukunft mehr schöne Geburtsberichte gibt, möchte ich zur Sensibilisierung und Aufklärung beitragen. Denn nur, wenn man auch von den negativen Geschehnissen erzählt, kann sich was ändern. #BreaktheSilence

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